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Elektronische Fallakte in NRW-Modellregionen startklar: Verbesserte Kommunikation zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen

Düsseldorf, 14.11.2019 – „Unsere im Projekt I/E-Health NRW entwickelte Elektronische Fallakte (EFA) ist startklar und wir können in den Modellregionen erste Erfahrungen in der praktischen Anwendung sammeln. Die technische Infrastruktur steht und die Arbeitsplätze in den Kliniken und Praxen unserer Projektpartner sind eingerichtet. In diesen Tagen werden erste Daten und Dokumente vom St. Franziskus-Hospital Münster und dem Klinikum Dortmund mit lokalen Arztpraxen über die EFA ausgetauscht. Die Feldtests in Borken/Ahaus und Düren/Aachen folgen noch im Laufe des Novembers“, freut sich Burkhard Fischer, Vorsitzender des Vereins Digital Healthcare NRW und Referatsleiter IT bei der Krankenhausgesellschaft NRW, über den Praxisstart zeitgleich zur Projektpräsentation auf dem NRW-Landesgemeinschaftsstand in Halle 13 der Messe MEDICA in Düsseldorf. In dem vom Land NRW und durch EU-Mittel geförderten Projekt I/E-Health NRW wurde die Elektronische Fallakte (EFA) in den letzten Jahren in einem großen Netzwerk von Partnern aus Selbstverwaltung, Wissenschaft und Industrie gemeinsam geplant und entwickelt.

„Die arztgeführte elektronische Fallakte (EFA) bietet den Behandelnden gesicherte Informationen zu vorangegangener Diagnostik und Therapie und ist eine sinnvolle Ergänzung zur elektronischen Patientenakte. Die EFA enthält beispielsweise Befunde, OP-Berichte, Entlassbriefe und Therapiepläne. Behandler können direkt aus Krankenhausinformationssystemen (KIS), Praxisverwaltungssystemen (PVS) oder über ein webbasiertes Portal auf die EFA zugreifen“, erklärt Dr. Georg Diedrich, Stellv. Vorsitzender von Digital Healthcare NRW und Leiter des Geschäftsbereichs IT bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, die Vorteile der EFA. Für Hausärzte, Fachärzte, Krankenhausärzte, Therapeuten und Pfleger ergeben sich neue Möglichkeiten für eine verbesserte intersektorale und interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit.

Die EFA als Kommunikationsplattform ist besonders auf komplexe Behandlungsabläufe ausgerichtet, die eine enge Kooperation von Ärzten über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg erfordern. Diese Modellregionen und Versorgungsszenarien sind Teil des Projektes I/E-Health NRW:

• Borken/Ahaus: Demenz-Akte

• Münster/Kreis Warendorf: Geriatrie-Akte

• Dortmund: Pädiatrie-Akte

• Düren/Aachen: Notfall-/Pflegeakte und Onkologie-Akte

Als Patient können Sie mit der EFA darauf vertrauen, dass Ihre behandelnden Ärzte alle relevanten Informationen zu Ihrem persönlichen Behandlungsfall untereinander vertraulich austauschen. Der Patient bestimmt selbst, welche Einrichtungen und an der Behandlung beteiligten Ärzte und Therapeuten auf seine EFA zugreifen dürfen. Eine Zugriffsliste protokolliert in der EFA-Plattform, wer wann auf die Daten zugegriffen hat. Der Patient erhält mit dem Offline-Token für Notfälle einen Zugangsschlüssel, einen Barcode, den er dem Arzt übergeben kann.

Mit einem abgestimmten und dem internationalen Standard gerechten Berechtigungsmanagement erfüllt die EFA 2.0 höchsten Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien. Zentraler Teil der EFA-Spezifikationen ist die mehrstufige Sicherheitsarchitektur. Die Zugänge zu den EFA-Netzwerken sind nach aktuellem Stand der Technik verschlüsselt. Das Datenschutzkonzept wurde juristisch geprüft und dem Landesbeauftragten für Datenschutz vorgelegt.

Im I/E-Health NRW Projekt werden drei Provider-Systeme für die Elektronische Fallakten (EFA) geführt. Die Provider-Systeme von der Rechenzentrum Volmarstein (RZV) GmbH, der Healthcare IT Solutions GmbH (HITS) sowie der FAC’T IT GmbH nutzen den gleichen modernen EFA-Standard in der Spezifikation 2.0. Einige Krankenhäuser, wie z. B. das Klinikum Dortmund, können über eine direkte EFA-2.0-Integration im Krankenhausinformationssystem iMedOne der Telekom Fallaktenfunktionen nutzen. Niedergelassene, deren Praxisverwaltungssysteme von CompuGroup Medical oder Duria die im Projekt von der FH Dortmund entwickelte EFA 2.0/KV Connect Schnittstelle umsetzen, können ebenfalls medienbruchfrei Fallaktenfunktionen in der gewohnten Systemumgebung nutzen. Projektpartner, die noch nicht über solche Schnittstellen kommunizieren können, nutzen dafür das EFA-Portal, welches im Projekt durch das Fraunhofer ISST entwickelt und durch das RZV, HITS und FAC`T IT betrieben wird.

Digital Healthcare NRW e. V. (Projektkoordination I/E-Health NRW www.ie-health.nrw):

Digital Healthcare NRW e. V wurde von der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V., der Healthcare IT Solutions GmbH der Uniklinik Aachen und den Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe und Nordrhein initiiert. Digital Healthcare NRW e. V. ist Konsortialführer des Projektes I/E-Health NRW. Das Verbundvorhaben „I/E-Health NRW – Hand in Hand bestens versorgt“ ist ein Siegerprojekt des Leitmarktwettbewerbs Gesundheit.NRW, welches vom 01.09.2016 bis 30.06.2020 mit Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird.

Aktuelles

Projekt I/E-Health NRW setzt bei Fallakten auf KV-Connect - Ein neuer KV-Connect-Adapter übersetzt zwischen den Sektoren

Ziel des Projektes I/E-Health NRW ist es, über Krankenhausinformationssysteme (KIS), ein webbasiertes Portal und Praxisverwaltungssysteme (PVS) direkt auf elektronische Fallakten zugreifen zu können. KV-Connect-Nutzer werden dies voraussichtlich ab Frühjahr 2019, sofern sie Projektteilnehmer und CGM- oder Duria-Kunden sind, über einen neuen KV-Connect-Adapter tun können. So schafft I/E-Health NRW interoperable Lösungen für Klinik und Praxis auf der Basis von IHE-Profilen und der EFA-2.0-Spezifikation, die bald in den vier Modellregionen Düren/Aachen, Dortmund, Borken/Ahaus und Münster/Kreis Warendorf erprobt werden.

Immer mehr Krankenhausärzte tauschen bereits untereinander und mit ihren niedergelassenen Kollegen elektronische Arztbriefe sowie dazugehörige Befunde Ende-zu-Ende-verschlüsselt über den sicheren Kommunikationsdienst KV-Connect der KV Telematik GmbH (KVTG) aus. „Der KV-Connect-Adapter für die Elektronische Fallakte (EFA) wird eine weitere Anwendung aus dem breiten Angebot von KV-Connect sein. Für unseren Projekterfolg sind der neue KV-Connect eAktenDienst und der EFA-KVC-Adapter zentrale Bausteine“, erklärt Burkhard Fischer, Vorstand Digital Healthcare NRW e. V. und Referatsleiter IT bei der Krankenhausgesellschaft NRW.

Der spezifizierte KVC-Anwendungsdienst eAktenDienst ermöglicht als Schnittstelle die Aktenkommunikation zwischen dem EFA-Providersystem und dem Praxisverwaltungssystem (PVS). Der EFA-KVC-Adapter nimmt die Nachrichten entgegen und transformiert sie in Akten-Transaktionen (ITIs gemäß IHE XDS.b), die dann auf dem EFA-Aktensystem ausgeführt werden. Im Sinne des Request-Response-Vorgangs erzeugt im Gegenzug der EFA-KVC-Adapter KVC-Nachrichten, die er an das PVS des Akten-Beteiligten zurücksendet. „Auf diese Weise können alle gängigen Aufgaben auf dem Aktensystem direkt aus dem PVS ausgeführt werden, vom Anlegen einer Fallakte über das Einstellen von Dokumenten und das Ändern von Berechtigungen bis zum Lesen der Inhalte und  Schließen der Fallakte“, so Dr. Georg Diedrich, 2. Vorsitzender Digital Healthcare NRW e. V. und Geschäftsbereichsleiter IT der KVWL. Dass nur berechtigte Ärzte in Krankenhäusern und Praxen auf die elektronische Fallakte eines Patienten zugreifen können, dafür sorgt ein ausgeklügeltes Berechtigungsmanagement.

Um die Adapterfunktionalität im I/E-Health-NRW-Projekt möglichst frühzeitig zu testen, wird diese stufenweise umgesetzt. In den aktuellen entwicklungsbegleitenden Integrationstests werden die Funktions- und Verbindungsfähigkeit sowie die Performance und Belastbarkeit geprüft und weiterentwickelt.

In dieser Skizze der EFA-Projektarchitektur ist die Einbindung des EFA-KVC-Adapters als Transformations- und Verbindungsstück zwischen der elektronischen Fallakte, KV-Connect, also der Datenautobahn im ambulanten Bereich, und dem PVS als Teilnehmersystem ersichtlich.

„Es freut uns, dass wir in dem Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der intersektoralen Versorgung zwischen Krankenhäusern und Praxen leisten können", betont Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KVTG und fügt hinzu „mit KV-Connect setzen die Beteiligten auf eine erprobte und fortschrittliche Technologie, die wir in der Telematikinfrastruktur (TI) zusätzlich zum Kommunikationsdienst KOM-LE anbieten wollen.“ Somit werden Befunddaten ohne Medienbrüche, verschlüsselt und ohne Zeitverzug zwischen ambulantem und stationärem Sektor zum Wohle der Patienten ausgetauscht. Ganz nach dem Leitmotto von I/E-Health: „Hand in Hand bestens versorgt“.