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Förderprojekt mit Elektronischer Fallakte für verbesserte medizinische Zusammenarbeit in vier NRW-Regionen erfolgreich abgeschlossen

Düsseldorf, 04.11.2020 – Acht Monate lang haben Hausärzte, Fachärzte, Krankenhausärzte, Therapeuten sowie Pfleger im Rahmen des Förderprojekts „I/E-Health NRW. Hand in Hand bestens versorgt“ die Möglichkeit gehabt, die durch das Projekt entwickelte Elektronische Fallakte (EFA) zu testen. Ziel war es, die medizinische Zusammenarbeit mit ausgewählten Versorgungsszenarien in vier nordrhein-westfälischen Regionen zu verbessern: in Borken/Ahaus mit der Demenz-Akte, in Münster/Kreis Warendorf mit der Geriatrie-Akte, in Dortmund mit der Pädiatrie-Akte sowie in Düren/Aachen mit der Notfall-/Pflege- und der Onkologie-Akte. Die Teilnehmer ziehen zum Projektende nun ein erfreuliches Fazit. Ein Projektfilm steht frei zugänglich unter ie-health.nrw/video.html zum Abruf bereit.

„Die beteiligten Ärzte und Pflegenden haben uns positive Rückmeldung gegeben. Sie möchten die Elektronische Fallakte weiterhin nutzen. Nach Förderende steht sie nun allen Behandlern zur Verfügung. Weitere Regionen und Versorgungsszenarien zeigen sich bereits interessiert“, sagt Burkhard Fischer, Vorsitzender des projektkoordinierenden Vereins Digital Healthcare NRW und Referatsleiter IT bei der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen.

EFA verbessert Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten und Therapeuten
Die Elektronische Fallakte wird, anders als die patientengeführte Elektronische Patientenakte (ePA), von den Ärzten und Therapeuten gepflegt. Sie nimmt beispielsweise Befunde, OP-Berichte, Entlassbriefe oder Therapiepläne auf und bietet allen beteiligten Behandlern in der ambulanten und stationären Versorgung neue Möglichkeiten für eine verbesserte sektorenübergreifende Kommunikation und Zusammenarbeit. „Die EFA gibt den Behandelnden gesicherte Informationen zu vorangegangener Diagnostik und Therapie an die Hand. EFA und ePA sind zwei Akten, die sich gut ergänzen“, führt Dr. Georg Diedrich, stellvertretender Vorsitzender von Digital Healthcare NRW und Leiter des Geschäftsbereichs IT bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, aus. Die behandelnden Ärzte und Krankenhäuser erhalten aus ihrer Klinik- oder Praxissoftware oder per Webbrowser geschützten Zugriff auf die Daten.

Höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards
Die Elektronische Fallakte als Kommunikationsplattform ist auf alle Behandlungsabläufe – einfache wie komplexe – ausgerichtet, die eine enge Kooperation von Ärzten über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg erfordern. „Der Patient bestimmt selbst, welche Einrichtungen und an der Behandlung beteiligten Ärzte und Therapeuten auf seine EFA zugreifen dürfen. Er kann darauf vertrauen, dass diese alle relevanten Informationen zu seinem persönlichen Behandlungsfall untereinander vertraulich austauschen. Das Datenschutzkonzept wurde juristisch geprüft. Das System entspricht höchsten Sicherheits- und Datenschutzstandards“, betont Dr. Georg Diedrich.

Alle interessierten Ärzte und Vertreter anderer Heilberufe können sich nun mit einem eigens produzierten Film einen guten Überblick über die ersten Erfahrungen mit der Elektronischen Fallakte verschaffen. Der Film steht frei zugänglich unter ie-health.nrw/video.html zum Abruf bereit.

Digital Healthcare NRW e. V. (Projektkoordination I/E-Health NRW): Digital Healthcare NRW e. V. wurde von der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V., der Healthcare IT Solutions GmbH der Uniklinik Aachen und den Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe und Nordrhein initiiert. Digital Healthcare NRW e. V. ist Konsortialführer des Projektes I/E-Health NRW. Das Verbundvorhaben „I/E-Health NRW – Hand in Hand bestens versorgt“ ist ein Siegerprojekt des Leitmarktwettbewerbs Gesundheit.NRW, welches vom 01. September 2016 bis 30. Juni 2020 mit Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde.

Zitate aus den vier Modellregionen
Region Dortmund:
Prof. Dr. med. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Westfälisches Kinderzentrum, Klinikum Dortmund, des größten kommunalen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen: „Es ist widersinnig, dass wir eine digitale Akte in der Klinik führen, dann drucken wir alles aus, schicken es mit der Post, und dann wird es in ein digitales Praxis-EDV-System überführt, möglicherweise durch Einscannen. Der eine muss wissen, was im anderen Sektor läuft, und wir müssen auch Folgetherapien möglichst kontinuierlich planen. Und das geht natürlich besser, wenn wir eine gemeinsame Sicht auf die Patientenunterlagen haben.“
Kinder- und Jugendarzt Marco Guse, Neuropädiater in Dortmund: „Da ist es relativ schnell und komfortabel, auch für den Kollegen, der uns das Kind zuweist, dass wir ihm am selben oder am nächsten Tag die Ergebnisse unserer Untersuchung zusenden können – ohne Zeitverzug.“

Region Düren/Aachen
Dr. med. Roland Reddelien, Facharzt für Innere Medizin, Heimbach: „Unsere Mitarbeiter müssen unheimlich häufig telefonieren, um irgendwo irgendwelche Befunde zu erfragen; und davon versprechen wir uns eine Erleichterung.“
PD Dr. med. Michael Flaßhove, Chefarzt am Krankenhaus Düren: „Viel Zeit im Krankenhaus und auch in der Praxis geht damit verloren, dass man Befunde anfordert, dass man sie umgekehrt auch kopiert und rausschickt. Das ist ein nicht unerheblicher Anteil der Arbeitszeit, die der Doktor oder das Sekretariat ausfüllen müssen. Wenn man quasi das von vornherein digital hat, ist das alles an Arbeitszeit ja erledigt.“
Martina Eichstaedt, Ärztliche Leitung Onkologie am Krankenhaus Düren: „Die Elektronische Fallakte würde uns betreuenden Ärzte eine enorme Erleichterung in der Transparenz und der Existenz der Befunde bringen, weil es oft ein Riesenaufwand ist, diese Befunde einzusammeln, zu besorgen.“

Region Münster/Kreis Warendorf:
Dr. med. Martin W. Baumgärtel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, St. Franziskus-Hospital Münster: „Wir können für den Patienten Sicherheit gewinnen, indem alle Befunde und Diagnosen auch auftauchen. Das erhöht insgesamt die Behandlungsqualität.“

Region Borken/Ahaus:
Martina Klöpper, Pflegerin beim Caritasverband für das Dekanat Borken e.V.: „Wir sehen den Patienten jeden Tag. Wir wissen: Sobald irgendetwas im Argen ist, sind wir praktisch die Ersten, die es aufnehmen können; und wir können es direkt an den Arzt ohne Schwierigkeiten weiterleiten, ohne dass irgendetwas verloren geht.“
Hausarzt Dr. Bernd Balloff, Legden: „Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Die aktuelle Situation ist, dass der Patient die Informationen mitbringt oder dass wir auf Arztbriefe aus dem Krankenhaus warten. Und mit der Elektronischen Fallakte haben wir die Möglichkeit, die Befunde direkt einzusehen.“
Eva Schutte, Physiotherapeutin Gesundheitszentrum Westmünsterland: „Wir haben sofortigen Zugriff in die Elektronische Fallakte des Patienten und können dadurch Dinge direkt hereinschreiben oder einsehen, die für uns wichtig sind.“

Pressekontakt: Gernot Speck, Öffentlichkeitsarbeit I/E-Health NRW
Tel +49 211 47819-72
Mail info@digital-healthcare.nrw

Aktuelles

FAC’T IT GmbH realisiert elektronische Fallakte mit ICW

Das Unternehmen FAC’T IT GmbH aus Münster entwickelt für die Modellregion Münster / Warendorf eine Plattform für eine elektronische Fallakte (EFA) und wird diese selbstständig betreiben. Im Rahmen des vom EFRE (Europäische Fonds für regionale Entwicklung) durch die EU und das Land NRW geförderten Projektes „I/E-Health NRW“ hat sich das Unternehmen für die InterComponentWare AG (ICW) als Softwarelieferant entschieden.

Dr. Ralf Brandner (ICW) und Oliver Seebass (FAC’T IT) bei der Vertragsunterzeichnung auf der conhIT

In dem Projekt „Versorgungsszenario Geriatrie-Akte“ wird die elektronische Fallakte eingesetzt, um mehr Sicherheit für Patienten und Angehörige zu schaffen. Hierzu ist eine transparente Information und Kommunikation erforderlich. Übergänge in der Behandlungskette müssen besser gestaltet werden um Fehlsteuerungen zu vermeiden. Die EFA ist zwar eine arztgeführte, einrichtungsübergreifende Patientenakte, allerdings obliegt es dem Patienten seine Daten den einzelnen, gemeinsam an der Behandlung teilnehmenden Einrichtungen bereitzustellen. So stehen zukünftig relevante medizinische Informationen den jeweilig Weiterbehandelnden wie Ärzten, anderen Krankenhäusern oder Rehakliniken zur Verfügung.
Perspektivisch will die FAC’T Gruppe, die Teil eines der größten konfessionellen Krankenhausträger in Deutschland – der St.-Franziskus-Stiftung Münster – ist, die Fallakte auch in den eigenen Einrichtungen einsetzen. Oliver Seebass, Geschäftsführer der FAC’T IT GmbH, ist sehr zufrieden mit der Entscheidung, „es freut uns, dass wir mit ICW einen kompetenten Partner gefunden haben, der bereits von Anfang an der Spezifikation der Fallakte auf Basis von IHE mitgearbeitet und entwickelt hat.“
„Die ICW eHealth Suite unterstützt bereits seit Jahren die Anforderungen der IHE und der EFA Spezifi-kation. Wir freuen uns mit unserem neuen Kunden, der FAC’T IT GmbH, dieses Projekt umzusetzen“, so Dr. Ralf Brandner, Vorstand der ICW AG.

 

FAC’T Gruppe
Wir sind Teil der St.-Franziskus-Stiftung Münster, einem der mit 15 Krankenhäusern und 20 weiteren Einrichtungen größten konfessionellen Krankenhausträger in Deutschland. Zur FAC’T Gruppe gehören die FAC’T GmbH sowie deren Tochtergesellschaften FAC’T RS GmbH, FAC’T GS GmbH, FAC’T IT GmbH, mediplan GmbH und encadi GmbH. Betriebsstätten und Büros unterhalten wir unter anderem in Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster, Telgte, Ahlen, Beckum, Hamm, Recklinghausen, Düsseldorf, Meerbusch, Viersen und Kamp-Lintfort